„Durchqueren wir eine moderne Großstadt, halten wir unsere Ohren offener als unsere Augen, und unterscheiden wir genussvoll die Wasser-, Luft- und Gaswirbel in den Metallrohren, das Brummen der unbestreitbar animalisch atmenden und pulsierenden Motoren, das Pochen der Ventile, das Hin und Her der Kolben, der Kreischen der Motorsägen, das Rattern der Straßenbahn auf den Schienen, das Knallen der Peitschen, das Flattern der Vorhänge und Fahnen. Wir finden Gefallen an der idealen Orchestrierung des Getöses von Rollländen, der auf- und zuschlagenden Türen, des Stimmengewirrs und Trampelns der Menge, der verschiedenen Geräusche von Bahnhöfen, Eisenhütten, Webereien, Druckereien, Elektrizitätswerken und Untergrundbahnen.“
Intonarumori, oder – wie wir auf Deutsch sagen würden – Geräuschinstrumente, sind Musikinstrumente, die von italienischen Futuristen zu Beginn des 20. Jahrhunderts entworfen und verwendet wurden. Diese Instrumente sollten die Komposition neuer Stücke mit Geräuschen ermöglichen, die bis dahin im Bereich der Musik verboten waren. So entstanden Ululatori, Rombatori, Crepitatori, Scrosciatori, Scoppiatori, Gorgogliatori, Ronzatori und Sibilatori, die man auf Deutsch Dröhner, Brüller, Kreischer, Polterer, Sprengler, Gurgler, Summer und Pfeifer nennen könnte. Mit diesen Instrumenten entstanden damals noch nie dagewesene Kompositionen mit den treffenden Titeln: Aufwecken der Stadt, Treffen von Autos und Flugzeugen, Essen auf der Hotelterrasse und Gerangel in der Oase. Während des Zweiten Weltkriegs wurden alle Original-Intonarumori zerstört und erst viele Jahrzehnte später von der musikalischen Avantgarde wiederentdeckt.
Zu denjenigen, die erfolgreich versucht haben, diese Instrumente zu rekonstruieren, gehört Jan Kolář, ein in Prag lebender Kunsttischler, Musikliebhaber und Alleskönner. Anhand von Fotografien und Textaufzeichnungen aus überlieferten Quellen konnte er drei Exemplare dieser Originalinstrumente herstellen. Die Rekonstruktion der Instrumente erfolgte in den Jahren 2011–2012 im Auftrag des OPO. Derzeit werden die Instrumente vom Ensemble of Futurist Noise Intoners (Anna Clementi, Luciano Chessa, Werner Durand, Jan Kolář, Miroslav Beinhauer, P.ST) gespielt.